Peru_2 Familienzirkus

Servus, zack da bin ich wieder.
Heute geht’s um eines der wichtigsten Themen in Peru (vielleicht sogar in ganz Lateinamerika): FAMILIE!!!

In meiner peruanische Familie fühl ich mich manchmal wie im Zirkus, eine Nummer folgt der nächsten: Meine Gastmama begrüßt mich mit einer hinreißenden Rede und umarmt mich am Bauch (weil sie so klein ist). Außerdem führt sie mich in die peruanische Kochkunst ein und will, dass ich in Deutschland ein peruanisches Restaurant eröffne und zu meiner Hochzeit kommt sie sowieso. Dann kann sie auch x-tausend Fotos von mir machen.

Meine kleinen Zwillingsschwestern (8) flöten, hüpfen Seil und singen „i can ride a bike, ride ride ride ride“, spielen mit mir cat y lobo (Wolf) Spiele.

Die erste Frage meiner größeren Schwester (16) „Comes carne?!“ und wenn nicht überzeugt sie dich davon. Außerdem erklärt sie dir alle unbekannten spanisch Wörter mit 1.000 Bewegungen und macht dazu lustige Geräusche.

Mein Gastpapa Robert flötet auch gerne, aber eher Quena (peruanische Flöte), spielt Schach und lacht fürs Leben gern (vor allem über mein Spanisch).

Mein Bruder Jean Pierre (19) bewirft mich immer mit Fragen: „Merkst du, dass ich betrunken bin?“, „Warum es kein Erdbeben in Deutschland gibt?“ „Hitler war doch gut, weil er ein vereintest Europa wollte und außerdem die Homosexuellen ermordet hat?“ und außerdem hab ich mit ihm sehr intensive Diskussionen, über das Frauenbild in der Gesellschaft.

Der einzige Ruhepol ist der Cousine Pepe (19) aus der Selva, der hier gerne mit den Zwillingen kuschelt, ein super Sportler ist, in Lima eine Automechaniker-Ausbildung macht und seine Heimat vermisst (so wie ich) Was ich wunderschön an der Gastfamilie finde: es wird viel miteinander gesprochen, geherzt, gemacht und gegenseitig geholfen. Allerdings hört man von anderen Freiwilligen, dass es sehr untypisch für peruanische Familie ist, dass soviel unternommen wird. Ich kann mich da wirklich glücklich schätzen, auch wenn ich oft überfordert bin oder gerne anders die jeweiligen Orte erlebt hätte.

Meine Familie hat 7 Mitglieder. Wir leben in Santo Domingo (das ist eine gated community, sehr ruhig und sicher, es gibt hier schöne Parks, aber viele Teile sind grad auch noch Neubaugeibt. Als in die Familie kam waren sie grad am Renovieren (irgendwie hab ich das schon von vielen gehört, dass die Familien extra für uns Renovieren). Ich hab mich schon gefreut, dass der Fernseher gar nicht oft benutzt wurde. Nach einer Woche wurde dann unten das Wohnzimmer wieder eingerichtet und seit dem läuft der Fernsehen immer nebenbei, soviel gucken sie gar nicht, aber er läuft. Am Anfang dachte ich: oh meine Familie ist absolut konservativ, aber ich hab gemerkt, dass ihr Verhalten ambivalent ist. Manchmal sind sie absolut offen, manchmal gar nicht. Aber vor allem meiner Gastmama ist die Präsentation wichtig (siehe NEYI). Peruanischer Konservatismus, geht grad noch. Generell ist immer Action, meine Mama ist immer am antreiben und vor allem zum Frühstück sagt sie mind. 30 mal rapido rapido (schneller). Ich lass mich langsam durch diese Hektik selten anstecken und hab auch schon gesagt, dass das nicht gut für sie und alle ist. Meine Familie hat ein Auto: ein Bus, in dem auch mal 15 Leute mitfahren können, grins. Sie reisen gerne, für Peruaner eher untypisch. Und wenn wir hier reisen wird immer wer von der Familie eingeladen, also Onkeln, Tanten, Oma ́s, Cousinen etc. Das wir mal nur mit 8 Personen wohin fahren kommt eher nicht vor. Wenn ich mal ohne sie was sehen will, dann können sie das schwer verstehen und versuchen mich zu überzeugen, dass ich doch mit ihnen fahren kann (wird aber besser!!). Ich versuche ihnen immer wieder zu erklären: die deutschen Kinder sind sehr selbständig und ich bin ja schon 25 Jahre, lebe seit 8 Jahre nicht mehr daheim. Das ist hier ganz anders: eigentlich bleibt man bis zur Hochzeit in dem Haus der Eltern. Dadurch sie sind auch ängstlicher was Reisen, alleine wohin gehen usw. angeht. Für sie verlässt man früher das Haus nicht aus zwei Gründen: Geld und Kriminalität. Ich freu mich allerdings schon richtig auf ́s Reisen, dafür hab ich dann ab Mitte Dezember bis März Zeit, weil da große Schulferien sind und wir dann unsere Reise/Urlaubstage nehmen können.

Trublige, chaotische Grüße
aus dem kalten Lima (bei uns kommt grad der Winter und es wird bis Dezember
kaum Sonne mehr geben, aber nur 1 h von uns weg ist der Sommer – nämlich in den Bergen) Meine Gastmama und ich bei unserer kleinen Reise in die Dschunglstadt Iquitos (die man nicht über Landwege erreichen kann) Da ist es dafür immer warm, es gibt nur Regen- und Trockenzeit.

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