Rund um mich herum

Mein HERZallerliebsten,

da bin ich. Also nicht da bei euch, aber immer noch auf dem gleichen Planet. Mir geht genau so wie euch: mal gut, mal schlecht, mal normal, mal genial. Und ich hab gemerkt, dass ich ein Mensch bin, der sehr schnell mal mit seinen Gefühlen ganz tief unten ist und genau so wieder schnell oben schwimmt. Schön, dass es euch alle gibt, die mir mal ganz klar sagen, dass ich mein Zähne zusammen beißen soll. Die versuchen mir zuzuhören. Die mir ganz liebe Worte schreiben und sagen: „Kopf hoch“.

Die mich, und so wie ich bin, mögen. DANKE

Mei, bevor ich jetzt ins unendliche romantische Gefasel komme: jetzt fangen wir mal bei A an.

A wie ABER WARUM BEKOMMT IHR JETZT EINE E_MAIL VON MIR?

Irgendwie hat sie (ich) doch immer was von einem Blog gefasselt und auch schon angefangen?!

Mir ist erst später klar geworden, dass ich in einem öffentlichen Blog nicht einfach frei von der Seele schreiben kann (und Rechtschreibfehler peinlich sind). Es könnte auch sein, dass der Blog von meinen Gasteltern gelesen wird, indem sie es ins Spanische übersetzen und dabei können natürlich auch noch ganz komische Übersetzungsfehler entstehen. Und dann gibt es ja auch noch meine Organisation „AFS“ und mein Förderprogramm „weltwärts“, die natürlich gut dastehen wollen. Ihr könnt euch sicher aus den ganzen Fakten zusammenreimen, wo das Problem ist.

IM MOMENT: Was mich in der letzten Tagen ganz oft hier beschäftigt hat: Warum bin ich hier? Warum soll eine peruanische Familie hier aufnehmen und dafür kein Geld bekommen? Warum soll ich ohne Ausbildung an einer Schule unterrichten, ersetzte ich vielleicht sogar einen Arbeitsplatz? Mit meinen ganzen großen Weltverbesserungsgedanken komm ich da leider nicht wirklich weit und ich hatte wirklich damit ein großes Problem. Bis vor paar Tagen war ich davon richtig gestressst. Aber so langsam hab ich begriffen um was es geht:

Folge dem Pfeil NICHT. SIEHE nächste Seite

  1. Ich kann den Menschen zeigen, dass ich aus einer anderen Kultur komme, von der ich unglaublich stark geprägt wird. (Man hat trotz aller gedachten Weltoffenheit Scheuklappen. Und man sieht andere Kulturen immer durch eine Brille – eine Brille die durch seine eigene Kultur gefärbt ist.)

    Und ich kann ihnen Denkanstöße geben. Zum Beispiel ist Lima mit Plastik überflutet, bei jeden Einkauf bekommt man alles in einer Plastiktüte, in einer Plastiktüte, in einer Plastiktüte. Und wenn man in den großen Supermärkten einkauft, bekommt man x Tüten, weil nur 3- 5 Teil in eine Tüte gepackt wird. Ich versuche immer die Tüten zu verweigern!!

    Kurze Geschichte, geschehen am 2.ten Wochenende in Peru: Ich war zum ersten mal in einem großen Supermarkt einkaufen, hab paar fehlende Sachen gekauft (z. B. Handtücher) und dann noch Sachen für ein Freizeit-Camping Wochenende, u. a. ein richtig geiles Stück Käse. Irgendwie war unglaublich viel los, eine lange Schlange an der Kasse und ich hab an der Kasse versucht klar zu machen, dass ich nur max. 1 PlastikTasche brauche. (ich hatte ja eine Stofftasche dabei) Große Irritation. Immer wieder haben sie beim Einpacken versucht mir mehr Tüten anzudrehen. Irgendwann war dann alle verpackt in insgesamt 2 Plastiktaschen und ich sollte zahlen. Nur ging dann meine normale EC- Karte nicht, x Versuche später hat dann meine Mama nach ihrem Restgeld gekramt und ich musste wieder ca. 50 Prozent meiner Einkäufe zurückgeben. Daheim dann die Überraschung: ich hatte einen Käsestück für 20 Soles (5.40 Euro) in meiner Tasche und das nicht bezahlt. ähmmm…. grins. Und nur noch 1 Plastiktüte.

    Punkt um 😉 Ich verweigere weiterhin ganz oft die Plastiktüte und es gibt dann immer kleine, süße Diskussionen (an denen ich mittlerweile mit meiner sprachlichen Fähigkeit teilnehmen kann).
    Ich möchte damit nicht sagen, dass wir eine bessere/ schlechter/ weiterentwickelte/ unterentwickelte Kultur haben, ich betone: WIR HABEN EINE ANDERE KULTUR, die auf uns angepasst ist.

  2. Zudem freue ich mich wieder in Deutschland zu sein, um auch dort einfach mal von einer anderen Kultur erzählen zu können. Es wäre mir ein Anliegen, dass jeder Deutscher lernt andere Kultur zu achten, zu akzeptieren, sich die Zeit nimmt um sie zu verstehen. Wir haben viele Ausländer in Deutschland, weil wir einfach zu den wirtschaftsstärksten Ländern der Welt gehören (Platz 5 im internationalen Ranking des Bruttoinlandsproduktes). Ich stimme zu,

dass wir nur flächenmäßig ein kleines Land sind, sodass wir nicht unendlich viele Menschen in Deutschland Heimat geben können. Aber gleichzeitig gibt es wirklich viele Menschen, die nicht zur Freude am Reisen nach Deutschland kommen und die können wir mit menschlichen Respekt behandeln. Ich versteh langsam wie schwierig es ist mit seiner Kultur in einer anderen Kultur zurecht zu kommen. Ich hab auf einmal so viele Heimatgefühle. Ich erinnere mich extrem an all die Traditionen und Gebräuche. War z. B. richtig enttäuscht, dass hier Ostern in meiner Familie nicht sehr groß gefeiert wurde (wir haben einen Film geguckt – nämlich „Karate Kid 2, in anderen Teilen in Peru wird es stärker gefeiert). Eine andere Schwierigkeit: ich habe Probleme mit dem Essen, mit den Portionen usw. Am Anfang hatte ich gar keinen Hunger und ich habe echt wenig gegessen. (wiege mind. 5-8 kg weniger, ich weiß es nicht genau, meine Familie hat keine Waage. Hier gibt’s Menschen, die auf der Straße anbieten sich zu wiegen, weil hier wenige eine Waage haben). Aber meine andere Kultur wird hier mal mehr und mal weniger akzeptiert. DESHALB FORDERE ICH IN DEUTSCHLAND MEHR RESPEKT GEGENÜBER ANDEREN KULTUREN.

  1. Ich bin ein bisschen Ausgleich für meine Lehrer und Schüler an meiner Schule. Ich bin nicht mal annähernd ein vollwertiger Lehrer, grins. Aber mei, die Kids sollen Spaß und der Lehrer einfach mal ne Stunde frei haben (das machen die „müden“ Lehrer) oder eine Stunde zum Vorbereiten haben (das machen die „schlauen“ Lehrer). Ich bin auch ein zusätzliche Hilfe in meiner Familie, ich bin große Schwester, ich bin Kochhilfe, ich bin manchmal Babysitterin, Hausaufgabenbetreuung der „Kleinen“, ich üben mit allen Englisch und wir sprechen viel über kulturelle Unterschiede und auch generell über alles was man so wissen will.
  2. UND ICH BIN DA FÜR MICH selbst, damit ich endlich mal weiß was ich will und das weiß ich immer noch nicht, irre immer noch im Garten der Verwirrung herum. Ich weiß nur, dass ich eine Basis finden muss und nicht ständig wieder wo neu anfangen kann. Mal sesshaft werden. Aber ja das muss ich dann in Deutschland umsetzen. Und ich merke, dass ich viele sehr vermisse und lerne es wieder wertzuschätzen.

Eigentlich wollte ich mal hier so meine Eckpfeiler (meinen Alltag, meine Leute um mich rum usw.) beschreiben, aber das kommt in der nächsten MAIL!!!

Punkt um (mein neues Lieblingswort): MIR GEHTS GUT.

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